Die Prinzipien des Bhakti-Yoga und der christlichen Mystik teilen eine ähnliche Grundstruktur, wenn es um die spirituelle Reise geht.
Beide betonen die Hingabe, die Liebesbeziehung zu Gott und das Streben nach einer tieferen, transzendenten Verbindung mit dem Göttlichen.
Doch wollen wir am Anfang beginnen.
Teresa von Ávila, eine der prägendsten Stimmen der christlichen Mystik, sieht Selbsterkenntnis als die Grundlage für inneres Gebet und die Begegnung mit Gott.
Die ehrliche Beobachtung der eigenen Gedanken, Gefühle und Muster hilft uns Schuldgefühle und Selbstzweifel zu erkennen und uns von Selbstkritik zu lösen. Selbsterkenntnis mündet in Selbsthingabe.
Der Weg wird frei für das stille Gebet, in dem die Gegenwart Gottes wahrgenommen werden kann.
Die erste Stufe des inneren Betens beschreibt somit die aktive Bemühung, eine gewisse Konzentration und Stille zu erlangen um so den inneren Frieden zu finden.
Die Reise der Seele zu Gott beginnt oft in der Stille – in einem stillen, empfänglichen Zustand, der über Worte hinausgeht.
Teresa von Ávila, beschreibt einen solchen Zustand wiederkehrend als inneres Verharren in Gottes Gegenwart. Es ist ein Zustand, in dem die Seele sich von Ablenkungen löst, Ruhe findet und sich ganz dem Geliebten öffnet.
Dieser Zustand ist das Ergebnis einer tiefgehenden inneren Arbeit: der Entwicklung von Selbstliebe und Demut.
Das mystische Gebet der Ruhe, als zweite Stufe des inneren Gebetes beschreibt diesen tief mystischen Zustand der Hingabe und Empfänglichkeit.
Es handelt sich um einen Moment des reinen „Seins“, eine unwillkürliche Sammlung in Gottes Gegenwart, ohne sich auf Worte oder Gedanken zu konzentrieren.
In diesem tiefen, kontemplativen Zustand gibt die Seele sich vollständig Gott hin und wird von ihm „getragen“.
Dies entspricht dem Shanta Bhava, dem Zustand innerer Ruhe und des Friedens im Bhakti-Yoga.
Beide Traditionen betonen einen Zustand der inneren Stille und des Friedens als Vorbereitung auf eine tiefere spirituelle Erfahrung. Es geht darum, in Gottes Nähe zu sein, ohne Ablenkungen oder äußere Störungen.
Das mystische Gebet der Ruhe und Shanta Bhava spiegeln auch ähnliche geistige Zustände wider: einen Zustand der inneren Stille und Hingabe, in dem man Gott nicht nur in Worten, sondern auch im Sein erfährt.
Gott als Freund bei Teresa von Ávila: Teresa spricht in ihren Schriften oft davon, dass Christus als Freund erfahren werden kann. Sie betont wie wichtig es ist, mit Gott in einer persönlichen und liebevollen Beziehung zu stehen.
Die Freundschaft mit Christus bedeutet eine intime, vertrauliche Verbindung, in der der Gläubige sich völlig öffnen kann, ohne Angst oder Scheu.
Im Bhakti-Yoga bezeichnet Sakhya Bhava die Beziehung zu Gott als Freund.
Hier ist Gott nicht nur der allmächtige Herr, Vater oder Mutter sondern auch der vertraute, liebevolle Freund, mit dem wir auf Augenhöhe sprechen und interagieren können.
Der Gläubige erlebt eine herzliche, liebevolle Beziehung zu Gott, die von Vertrautheit und Freundschaft geprägt ist.
Gemeinsam in beiden Traditionen ist Gott als jemanden zu erleben, dem man sich anvertrauen kann – ein liebender Freund, der stets präsent ist und mit dem man eine innige Beziehung pflegt.
Teresa spricht von der „geistlichen Hochzeit“ als dem höchsten Zustand der Vereinigung mit Gott. Hier wird die Seele vollkommen mit Gott verbunden, und es handelt sich um einen Zustand der tiefsten Liebe und Hingabe.
Teresa beschreibt diesen Zustand oft als ekstatisch, in dem die Seele in völliger Harmonie mit der göttlichen Liebe lebt und sich von der Welt vollständig abwendet.
Im Bhakti-Yoga ist Madhurya Bhava die höchste Form der Hingabe, in der der Gläubige Gott als seinen Liebsten erfährt.
Gleichsam wird eine tief emotionale und mystische Vereinigung mit Gott, die jenseits der Worte geht beschrieben.
Es ist ein Zustand des Einsseins mit der göttlichen Liebe, in dem der Gläubige die höchste Freude und Erfüllung erfährt.
Beide Traditionen sprechen von der Bedeutung der tiefen Hingabe, der inneren Stille und der persönlichen Beziehung zu Gott. Der Weg führt von der Ruhe und inneren Stille, über die Freundschaft mit Gott, bis hin zur höchsten Vereinigung – der geistlichen Hochzeit oder der Madhurya Bhava.
In beiden Wegen zeigt sich die selbe Grundbotschaft: Wahrer Zugang zu Gott beginnt in der Stille des Herzens, endet in liebevoller Begegnung und fordert uns auf, uns selbst zu prüfen.