Zu Beginn einer spirituellen Praxis steht oft das Ziel im Vordergrund, den Geist zu beruhigen und das Wohlempfinden zu fördern. Die Entwicklung von Achtsamkeit und Mitgefühl bilden dabei wichtige Grundlagen, die uns am Anfang der Praxis am Weg halten.
Doch für die nächsten Schritte- das Bestreben größtmögliche Freiheit zu finden- benötigt es größere Motivation.
In dieser Phase geht es darum, das Verlangen nach Wohlbefinden, Glück und Vergnügen loszulassen. Stattdessen erfordert es Mut, Freude und Schmerz gleichermaßen zu akzeptieren und sich im Herzen und Geist sowohl Licht als auch Schatten anzusehen.
Mit zunehmender Meditationspraxis, wenn wir unsere Konzentration – also die Stabilität unseres Geistes – vertiefen, können sich allerlei spirituelle Erfahrungen einstellen. Je besser wir diese verstehen, desto weniger besteht die Gefahr, dass wir an ihnen hängen bleiben oder sie mit dem eigentlichen Ziel der Meditation verwechseln.
Einer der ersten Zustände, der sich einstellt ist Ekstase: ein tolles Körpergefühl, Weite, Leichtigkeit, Wellen der Liebe bis hin zu Lustgefühlen. Die körperlichen Empfindungen können von intensiven Farbeindrücken begleitet werden wie intensives Blau, Grün oder Lila; später auch Goldtöne und weißes Licht. Innere Klänge wie Glocken, hohe Töne; Stimmen oder Sphärenklänge können ebenso gehört werden.
All das tritt auf, wenn sich die Sinne mehr und mehr öffnen und sich die Wahrnehmung verfeinert.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Ekstase nicht zwangsläufig Weisheit bedeutet. Wenn wir uns bewusst machen, dass diese Erfahrungen nur „Nebenwirkungen“ einer vertiefenden Praxis sind, können wir vermeiden, an ihnen zu haften oder uns mit ihnen zu identifizieren.
Andernfalls besteht die Gefahr, dass wir diese Erlebnisse beim nächsten Mal wiederhaben möchten oder versuchen, sie zu „reproduzieren“, indem wir genau so sitzen, atmen und die gleichen Bedingungen schaffen wie beim letzten Mal. Vielleicht erleben wir auch eine Art Verzückung.
Doch die Anhaftung an solche Erfahrungen kann verhindern, dass wir uns für andere Erfahrungen öffnen und unsere Meditation sich weiter vertieft. In diesem Zusammenhang spricht man auch von den „Trübungen der Erkenntnis“.
Möchten wir „darüber hinaus“ gelangen, müssen wir erkennen, dass wahre Freiheit nur daraus entsteht, dass wir uns voll und ganz auf den gegenwärtigen Moment einlassen – egal, ob er angenehm oder unangenehm ist.
Meister Eckhart beispielsweise genügten Visionen, Ekstasen, Lichterlebnisse und heilige Erscheinungen nicht; er wollte darüber hinaus.
Sein Ziel war das tiefste Einssein mit dem Göttlichen – jenseits aller Formen; das Absolute, in dem alle Dinge und Wesen eins sind.
„Eins in Einem, Eins mit Einem, Eines durch Eines und Eins in Einem ewiglich“
Für ihn zählte nur das, was er als den Weg zur mystischen Einheit ansah und das, was nach seiner Meinung der Mensch wirklich braucht: die Verbindung mit dem göttlichen Grund; der Tiefe des Bewusstseins, dem großen Nichts, dem Einssein.